Fahrt nach Mauthausen 2025
09. - 11. Mai 2025
Ich habe dieses Jahr an der Mauthausenfahrt (9. bis 11. Mai) teilgenommen.
Aber warum entscheidet man sich dazu, sein gesamtes Wochenende in einer kleinen österreichischen Stadt in der Nähe von Linz zu verbringen?
Meine persönliche Motivation war es, die Schicksale, wie sie in unseren Geschichtsbüchern geschildert werden, nicht nur abstrakt und theoretisch zu kennen, sondern sie auch einmal konkret vor Augen zu haben. Außerdem war es mir wichtig, denen Respekt zu erweisen, die dort ermordet wurden und jenen, die trotz allem Widerstand leisteten.
Besonders eingeprägt haben sich bei mir zwei Eindrücke:
Zum einen der sogenannte "Raum der Namen". Dort sind über 84.000 Namn der Menschen verzeichnet, die im Konzentrationslager Mauthausen ermordet wurden. Neben der schieren Masse an Namen waren es vor allem die vielen Fotos, die mich bewegt haben. Sie zeigen Gesichter, geben den Opfern ihre Einzigartigkeit zurück und machen deutlich, dass hinter jeder Zahl ein Mensch mit Träumen und Familie stand.
Zum anderen das Gespräch mit einer Zeitzeugin. Ihre Mutter hatte zwei geflohene KZ Häftlinge versteckt - mit der einfachen Begründung, dass auch sie Söhne im Krieg habe. Sie sah die Geflohenen nicht als Feinde, sondern als Menschen, für die irgendwo jemand hoffe, genau wie sie selbst. Dieser einfache, meschliche Gedanke, trotz allen damit verbundenen Risikos, hat mich tief beeindruckt.
Trotz der vielen wichtigen Eindrücke gab es auch Momente, die mich irritiert und nachdenklich gemacht haben. Viele Länder haben auf dem Gelände des ehemaligen KZs nationale Denkmäler errichtet, um ihrer Landsleute zu gedenken, die dort starben. Einige davon mit auffällig kriegerischen amutenden Statuen. Zusätzlich wirkte es auf mich zynisch, dass bei verschiedenen nationalen Gedenkfeiern uniformierte Soldaten im Stechschritt Kränze an ihren Denkmälern niederlegten, besonders wenn man bedenkt, welche Rolle Uniformen vor 80 Jahren an diesem Ort spielten.
Auch die internationale Gedenkfeier selbst machte auf mich stellenweise einen inszenierten, fast schon politisch inszenierten Eindruck. Kameras richteten sich über lange Strecken auf den spanischen König, welcher für viele anwesende Spanier eine politische Reizfigur ist. Gleichzeitig wurden sämtliche beteiligte Gruppen und politischen Vertreter bis hin zu untergeordneten Amtsträgern einzeln genannt, was dem Moment eine bürokratische Schwere gab, die dem Ort und Anlass nicht gerecht wurde.
Abschließend bleibt mir das Gefühl, eine wichtige Erfahrung gemacht zu haben, die ich jedem ans Herz legen kann. Besonders bedanken möchte ich mich noch einmal bei SIlas, Paul, Kilian, Leandra, Oriane, David, Helena, Lena und Frau Weiser, dasss ihr mir dieses Wochenende, trotz der emotionalen Schwere, zu einer angenehmen, unvergesslichen Erfahrung gemacht haben.
Martin Loch
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Das Mahnmal erinnert an die unzähligen Opfer des Konzentrationslagers Mauthausen und dient als Ort stillen Gedenkens. -
Vertreterinnen und Vertreter aus zahlreichen Ländern versammeln sich zur jährlichen Befreiungsfeier im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen. -
Während der Feier werden Kränze niedergelegt und Reden gehalten, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.