Bisher haben Studierende für das Lehramt an Gymnasien nach der Gymnasiallehrerprüfungsordnung I (GymPO I vom 31. 7. 09) als Voraussetzung für die Zulassung zur Wissenschaftlichen oder Künstlerischen Staatsprüfung verpflichtend ein erfolgreich absolviertes Schulpraxissemester nachzuweisen.

Ab dem Wintersemester 2015/16 müssen Studierende des Studiengangs "Master of Education" für das Lehramt an Gymnasien gemäß Rahmenvorgabeverordnung des Kultusministeriums (RVO) vom 27.04.2015 nun, ebenfalls verpflichtend, das 12-wöchige Schulpraxissemester (RVO-KM) nachweisen.

Für beide Prüfungsordnungen beginnt das Praxissemester an den Schulen jeweils nach den Sommerferien und dauert 13 Wochen (GymPO I) bzw. 12 Wochen (RVO-KM) bis zu den Weihnachtsferien. Die Hochschulen legen die Einfügung des Praxissemesters in den Studienplänen fest; für die alte Prüfungsordnung ist dies in der Regel das 4. oder 5. Semester, für die neue Studienordnung in der Regel das 7. Semester. Für Studierende der Musik gibt es Ausnahmeregelungen, ebenso wie für Lehramtskandidaten/innen, die im Ausland als Assistant Teacher tätig waren.

Durch das Praxissemester soll eine stärkere Verzahnung der Ausbildungsphasen durch eine Auseinandersetzung mit pädagogischen Fragen erfolgen. Es soll den Praktikanten/innen ein Kennenlernen des gesamten Tätigkeitsfelds Schule ermöglichen. Die Praktikanten/innen können dabei den Schulalltag mit den verschiedenen Unterrichtssituationen, mit den unterschiedlichen Lehrer-/Lehrerinnenprofilen, aber auch den spezifischen Belastungen des Berufs unmittelbar erfahren.

Die Praktikanten/innen werden an den Schulen von Ausbildungslehrern/innen betreut, die für sämtliche Beratungs- und Organisationsaufgaben an den Schulen verantwortlich sind, die aber gleichzeitig auch in engem Kontakt zu den Studienseminaren stehen. Durch die Seminare erfolgt während dieser Zeit eine erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Grundausbildung. Ausbildungslehrerin am Gymnasium in der Glemsaue und Ansprechpartnerin für alle Studenten und Studentinnen, die einen Platz für ihr Praxissemester suchen, ist Frau Nagel (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Das Praxissemester wird mit 16 Leistungs-Punkten verrechnet. Es muss bestanden werden. Dies bescheinigen Seminar und Schulleitung. Außerdem gilt die Regelung, dass Schulen, die der Praktikant/die Praktikantin selbst besucht hat, nicht für die Ableistung des Praxissemesters ausgewählt werden können.

Wichtiger Hinweis: Die Anmeldung zum Praxissemester kann ausschließlich über das Internet erfolgen: https://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za242/cgi-bin/PS1.pl?osa=S

Der Ablauf des Praxissemesters

Innerhalb des Schulpraktikums halten die Praktikanten/innen ca. 30 Stunden Unterricht bzw. Unterrichtsversuche (Stundenteile) und hospitieren pro Woche im Umfang von etwa 10 Unterrichtsstunden bei anderen Lehrern/innen. Die Praktikanten/innen sollen am gesamten Schulleben teilnehmen, also (abgesehen vom eigenen Unterricht und den Hospitationen) auch an schulischen Veranstaltungen aller Art: Konferenzen, Elternabende, außerunterrichtliche Veranstaltungen wie z. B. Theaterbesuche, Sporttage usw. Außerdem nehmen sie an regelmäßigen Ausbildungs- und Betreuungsveranstaltungen des/der Ausbildungslehrers/in teil. Zusätzlich bietet das Studienseminar in Stuttgart verpflichtende erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Veranstaltungen an.

Am Ende des Schulpraxissemesters erstellt der/die Ausbildungslehrer/in für den/die Schulleiter/in nach Anhörung des Staatlichen Seminars eine Beurteilung über die didaktisch-methodischen und personalen Kompetenzen des Praktikanten und stellt fest, ob diese dem erreichten Ausbildungsgrad entsprechend in hinreichender Weise erkennbar sind. Kriterien für die Beurteilung der didaktisch-methodischen und personalen Kompetenzen sind insbesondere:

  • Fähigkeit zur Strukturierung, Methodenbewusstsein, Reflexionsfähigkeit, fachliches Interesse
  • Haltung und Auftreten, Sprache und Kommunikationsfähigkeit, Ausgeglichenheit und Belastbarkeit, Empathiefähigkeit und erzieherisches Wirken.

Der/Die Schulleiter/in entscheidet als Beauftragte/r des Prüfungsamtes im Einvernehmen mit dem Staatlichen Seminar auf der Grundlage dieses Beurteilungsvorschlags durch schriftlichen Bescheid mit der Feststellung »Schulpraxissemester bestanden« oder »Schulpraxissemester nicht bestanden«. Der/Die Ausbildungslehrer/in führt auf der Grundlage des Abschlussberichts des Praktikanten/der Praktikantin und der Beurteilung durch den/die Schulleiter/in eine abschließende Beratung mit dem Praktikanten/der Praktikantin durch.

G. Nagel, Ausbildungslehrerin

 


Abschlussberichte 2015/16

 Abschlussbericht von Romana Hríbik (Englisch und Spanisch)

Ich sitze in der letzten Reihe des Klassenzimmers und beobachte die Unterrichtsstunde, dieses Mal jedoch nicht aus der Perspektive einer Schülerin. Ich beobachte die Lehrerin, die vor der Klasse steht und ihr Bestes gibt. Ich soll notieren, welchen Einstieg, welche Überleitungen, Erarbeitung, Methoden und welche Übungen und Transferaufgaben sie verwendet. Und doch scheinen mir diese Aspekte eher nebensächlich zu sein. Denn die meisten Schüler sind unruhig, einer schaukelt auf dem Stuhl, der andere wirft seinen Kugelschreiber, der Overheadprojektor riecht verdächtig, und vielleicht rennt gleich wieder diese eine Katze ins Klassenzimmer. Doch plötzlich schafft es die Lehrerin, dass wirklich jeder ihren Einstieg mitbekommt...

In meinem Praxissemester habe ich die meisten Seiten des Lehrerdaseins mitbekommen. Dafür bedanke ich mich recht herzlich bei meinem Ausbildungslehrer, Herrn Grandel. Schon zu Beginn durfte ich an einem Interaktionstag der neuen fünften Klassen, einem Elternabend, einer GLK und einer NWT-Exkursion teilnehmen. In meinen ersten zwei Wochen wollte ich nur hospitieren und die Klassen kennenlernen. Ich hatte schnell fünf Lehrer gefunden, bei denen ich stets mitkommen durfte und schon bald meine ersten Unterrichtsbesuche starten konnte (Danke!). Anfangs übernahm ich nur eine halbe Stunde Unterricht, was mich freute, denn während des Unterrichtens stellten sich so einige Hindernisse in den Weg, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Eigentlich bin ich eine selbstsichere Person, aber diese Schülerin in der dritten Reihe starrt schon die ganze Zeit auf meinen Pullover... Habe ich einen Fleck? Ist sie müde? Passt sie auf? Ist ihr langweilig? Warum ist ihr langweilig? Ich habe mir doch so viel Mühe dabei gegeben, die Stunde interessant zu machen... Das sind Gedanken, die im Unterricht nichts verloren haben, aber sie kommen auf eine natürliche Art, weil man stets analysiert, was Schüler aus welchem Grund machen.

Als ich mich daran gewöhnt hatte, vorne zu stehen, und als „echte“ Lehrerin wahrgenommen zu werden, übernahm ich ganze Doppelstunden, die mich meist sechs bis sieben Stunden Vorbereitungszeit kosteten. Ich konnte mich oftmals nicht entscheiden, welches Material ich verwenden sollte, welche Vokabelsemantisierungen, Methoden oder welchen roten Faden ich befolgen sollte. Mir half es sehr, einige wichtige Fragen vorzubereiten, damit ich den Schülern die nötigen Denkanstöße geben konnte. Wenn ich vorne stand, dann fand ich es am schönsten zu merken, wenn die Schüler wirklich nachdachten, eine Meinung bildeten, hinterfragten und sich trauten, nachzufragen - auch wenn es nur eine Frage war wie: „Haben Sie das Poster extra nur für uns gemalt?“ Denn dann wusste ich, dass sich die Schüler im Unterricht wohlfühlten und Interesse zeigten, was eine gute Art von Feedback für mich war.

Ich bekam auch von Seiten der Lehrer stets ausführliches Feedback, was mich sehr erfreute und wofür ich extrem dankbar bin. Jedoch wollte ich mir auch Rückmeldung von Schülern holen. Ich wollte wissen, was ihnen aufgefallen war und deshalb ließ ich sie Feedbackbögen ausfüllen. Diese wurden sehr ehrlich und herzlich ausgefüllt. Eine Aussage, an die ich mich gerne erinnern werde, war: „Machen Sie weiter so und kümmern Sie sich so gut um alle Schüler.“ Dies fand ich zu Beginn sehr süß, dachte aber länger darüber nach, bis mir klar wurde, dass dies für mich die wahrscheinlich wichtigste Aufgabe als zukünftige Lehrerin ist: nämlich mich um alle dieser verschiedenen Schülerpersönlichkeiten zu kümmern und sie zu schätzen. Nicht nur ist es unerlässlich, die Stärkeren zu fördern, zu motivieren und immer zusätzliche Aufgaben zum Weiterdenken parat zu haben, sondern auch den Schwächeren ein Gefühl der Wertschätzung geben. Ich glaube, wir als Lehrer haben die Möglichkeit, jungen Menschen Selbstvertrauen, Werte und Selbstliebe zu vermitteln, wenn sie diese vielleicht von Natur aus oder von daheim nicht kennen. Wir können starke Persönlichkeiten formen, die etwas aus sich machen und ihren Weg finden, aber wir dürfen niemals aufhören, an sie zu glauben. Und deswegen möchte ich, bestärkt wie noch nie, Lehrerin werden.

 

Abschlussbericht von Vanessa Kiefer (Englisch und Deutsch)

„Man geht immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Nach 13 spannenden, abwechslungsreichen und tollen Wochen des Praxissemesters am Ditzinger Gymnasium in der Glemsaue kann ich nun aus voller Überzeugung sagen, meinen Traumberuf gefunden zu haben.

Vor Beginn meines Praktikums kannte ich die Schule nur aus der Perspektive einer Schülerin und ich muss zugeben, dass ich zunächst Bedenken hatte, ob ich mich überhaupt mit der Rolle der Lehrerin identifizieren könnte. Fragen, ob die Schüler/innen mich als Lehrperson akzeptieren und ernst nehmen würden oder ob es mir überhaupt gefallen würde, vor einer Klasse zu stehen und diese auch selbst zu unterrichten, begleiteten mich und auch meine Erwartungen an das Praxissemester. Nun, am Ende des leider viel zu kurzen Praktikums an einer tollen Schule mit einem sehr hilfsbereiten und offenen Lehrerkollegium, kann ich all diese Fragen mit einem klaren „Ja“ beantworten. Ich habe mich während meiner Zeit in Ditzingen sehr wohl gefühlt und fand jederzeit ein offenes Ohr im Lehrerkollegium, wenn es entweder um die Vorbereitung von eigenem Unterricht ging oder mir irgendetwas anderes auf der Seele brannte.

Als Praktikantin durfte ich 13 Wochen lang aktiv am Schulleben und all seinen Facetten teilhaben und habe damit viele tolle Erfahrungen im Hinblick auf meinen späteren Beruf gesammelt, die mich in meiner Berufswahl weiter bestärkt haben. Unter anderem haben wir Praktikanten an zahlreichen außerschulischen Veranstaltungen teilgenommen, wie dem Wandertag mit der 5. Klasse und einer Exkursion zum Landtag in Stuttgart mit den 9. und 10. Klassen. Außerdem waren wir auch zu zwei Gesamtlehrerkonferenzen und zum Elternabend eingeladen. Es war spannend, die vielen Facetten des Lehrerberufs kennenlernen zu dürfen und die Vielseitigkeit des Berufs aufgezeigt und veranschaulicht zu bekommen und meine Erwartungen an das Praktikum wurden in jeglicher Hinsicht übertroffen.

Die Unterstützung durch das Kollegium hat mir im Hinblick auf meine ersten eigenen Unterrichtserfahrungen sehr geholfen. Mein eigener Unterricht, egal ob nur einzelne Teile der Stunde oder ganze Doppelstunden, wurde immer sehr gut vor- und auch nachbesprochen und ich hatte stets das Gefühl, einen Ansprechpartner zu haben, wenn es in der Vorbereitung mal hakte oder ich mir unsicher war, ob die Stunde so aufgehen würde. Das ausführliche Feedback hat mir sehr geholfen, meine eigenen Stunden und mich als Person zu reflektieren und zu sehen, wo meine Stärken, aber auch Schwächen liegen. Durch die tolle Betreuung der Lehrer und das Gefühl, darin bestärkt zu werden, in dem was man tut und damit auf dem richtigen Weg zu sein, fiel es mir nicht schwer, vor der Klasse zu stehen und mit den Schülern zu interagieren. Im Gegenteil - es machte riesigen Spaß, selbst zu unterrichten und seinen zuvor geplanten Unterricht dann auch in die Praxis umzusetzen. Aufregung kam dabei so gut wie gar nicht auf. Dies lag natürlich auch an den Klassen, in denen ich unterrichten durfte, die alle sehr offen und neugierig auf mich reagierten und mir das Gefühl gaben, nicht „nur“ Praktikantin zu sein, sondern mich wie eine Lehrperson zu fühlen, welcher sie zuhören und die ihnen Lerninhalte vermittelt. Ich habe während des Praktikums durchwegs positive Erfahrungen im Umgang mit den Schüler/innen sammeln dürfen, egal ob in der Unter-, Mittel- oder Oberstufe. Außerdem war es eine tolle Erfahrung, in unterschiedlichen Jahrgangsstufen mit vielen verschiedenen Charakteren unterrichten zu dürfen und die Chance zu bekommen, sich selbst auszuprobieren und auch die eigene Sprache, vor allem in Englisch, an das jeweilige Sprachniveau anzupassen.

Das Vertrauen, welches mir von den Fachlehrern entgegengebracht wurde, war enorm, was in mir umso mehr das Verlangen weckte, einen reibungslosen, abwechslungsreichen und vor allem schülerorientierten Unterricht vorzubereiten. Und auch wenn der Unterricht nicht immer so lief, wie man sich vorher vorgestellt hatte, war es eine spannende Erfahrung zu sehen, dass man eine Stunde noch so gut durchplanen kann, sie aber trotzdem oft anders abläuft, als zuvor überlegt und damit nicht immer vorhersehbar ist. Dies ist für mich aber gerade das, was diesen Beruf so abwechslungsreich und interessant macht.

Mit meinen Fächern Deutsch und Englisch bin ich mir nun nach meinem Praxissemester sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben, wenn sie auch sehr korrekturintensiv sind. Abschließend kann ich kommenden Praxissemesterstudenten das Gymnasium in der Glemsaue wärmstens empfehlen, da es meiner Meinung nach alles vereint, was eine gute Schule ausmacht: tolle, engagierte und hilfsbereite Lehrer mit Begeisterung für ihre Fächer, ein ausgezeichnetes Schulklima zwischen Schülern und Lehrern und sehr nette und freundliche Schüler, die jedem Praktikanten offen begegnen und einem das Gefühl geben, respektiert und wertgeschätzt zu werden. Ich werde die Schule deshalb mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen und viele tolle Erfahrungen mit in mein weiteres Studium mitnehmen. Danke für die schönen, leider viel zu kurzen, 13 Wochen!

 

Abschlussbericht von Lisa Smith (Biologie und Philosophie/Ethik)

 Die dreizehn Wochen Schulpraktikum am Gymnasium in der Glemsaue Ditzingen vergingen wie im Flug. Es war eine sehr eindrucksvolle Zeit, welche meiner Meinung nach noch länger hätte sein dürfen. Weg von der Theorie in der Universität hin zur Praxis am Schüler, das war eine enorme Umstellung und fiel mir zu Beginn sehr schwer. Erst gegen Ende der dreizehn Wochen war diese Umstellung vollbracht.

Anfängliche Hürden konnten dank einer guten Betreuung schnell überwunden werden und ich habe mich sehr schnell in das Schulleben eingefunden. Insgesamt war es für mich eine sehr erlebnisreiche Zeit, in welcher ich sehr viele Eindrücke über „das Gesamtpaket Lehrer“ erfahren konnte. Ich habe mich an der Schule sehr wohl und gut beraten gefühlt. Die Lehrer gaben sich stets Mühe, ein ausführliches Feedback der selbst gehaltenen Stunden zu geben; dadurch konnte man gut auf einzelne Punkte achten (Körpersprache, Ausdrucksweise, Tafelbild etc.) und sich kontinuierlich verbessern.

In den ersten Wochen des Praxissemesters hospitierten wir Praktikanten hauptsächlich. Dabei achteten wir auf verschiedene Bereiche des Lehrerseins. Somit konnten wir viele verschiedene Methoden, Umgangsformen, Verhaltensweisen, Handlungsmöglichkeiten usw. kennenlernen, welche wir Praktikanten auch stets untereinander austauschten. Dabei wurde deutlich, dass nicht alle Strategien und Verhaltensweisen für jede Lehrerpersönlichkeit erfolgreich sind. Es war für mich sehr interessant, den Unterricht verschiedener Lehrer und verschiedener Fächer zu sehen. Dies hat mir persönlich sehr viel geholfen; ich habe verschiedene Strategien, Unterrichtsformen etc. kennengelernt, welche ich an meine Persönlichkeit anpassen und anwenden konnte.

Nach den ersten Wochen begannen dann die Unterrichtseinsätze. Diese reichten von kleinen Einsätzen (Stundenteile) bis hin zu ganzen Doppelstunden. Es war für mich ein sehr angenehmes Gefühl, vor der Klasse zu stehen und mit der Klasse gemeinsam Themen zu bearbeiten. Man erlebt sich auf einmal ganz neu, es werden ganz neue Seiten an einem entdeckt. Doch ziemlich schnell wurde mir auch der Arbeitsaufwand bewusst, der sich hinter den Unterrichtsstunden versteckt. Die Vorbereitung nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Sich in Themen einzulesen bzw. Themen aufzufrischen, Arbeitsblätter zu entwerfen, Abläufe auf die Minute zu planen etc. dauerte um einiges länger als die Umsetzung. Dabei musste schon mal ein Wochenende geopfert werden.

In der Umsetzung meiner Unterrichtsentwürfe wurde mir klar, dass der Lehrer sehr flexibel sein muss. Schüler sind einfach unberechenbar. Mal verkürzen sich geplante Phasen radikal oder sie ziehen sich unerwartet in die Länge. Der Lehrer muss ein Allroundtalent sein. Er ist nicht nur fachlich gefragt, sondern auch menschlich. Er soll den schwachen Schülern helfen und zugleich die guten Schüler weiter fördern. Er soll perfekt organisierten Unterricht halten und zugleich auf individuelle Defizite der Schüler eingehen können. Es ist schwer, während all dem das Unterrichtsziel nicht zu verlieren oder gar zu verfehlen; dies steht und fällt mit der Klassenführung. Diese ist ein weiterer Bereich, in welchem man Eindrücke während des Praxissemesters erlangt und die große Bedeutung kennenlernt, welcher ihr zukommt. Dazu benötigt es eine gute Planung, Empathie, Autorität und besonders die fachliche Kompetenz.

Dank der hilfreichen Feedbacks der einzelnen Lehrer konnte ich mich in einzelnen Bereichen verbessern und ich fühlte mich sehr schnell in der Rolle der Lehrperson und nicht mehr in der Rolle der Studentin. Neben den guten Feedbacks und Tipps der Lehrer halfen die begleitenden Veranstaltungen am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Stuttgart. Diese waren sehr praxisorientiert, da neben der Theorie gleich ihre Anwendung mit vermittelt wurde.

Außer dem Unterrichten habe ich auch andere Seiten des Lehrerseins kennenlernen dürfen, wie z.B. Ausflüge oder „Kennenlern-Tage“. Hier muss der Lehrer seine Augen einfach überall haben. Er wird voll und ganz gefordert. Aber gerade bei solchen Veranstaltungen kommt man dem Schüler näher und kann eine Basis schaffen, durch welche man den Schüler besser verstehen kann. Hier schlüpft der Lehrer aus der Rolle des Vermittlers in die Rolle der Bezugsperson. Dabei wurde mir klar, wie viel man von den Schülern emotional auch wieder zurückbekommt.

Insgesamt hat mich das Praxissemester in meiner Berufswahl bestärkt. Ich habe die Licht- und Schattenseiten kennen gelernt und kann immer noch mit Freude sagen, dass ich Lehrerin werden möchte.