Die Theater-AG in La Chabotte/ RillieuxMüde, aber glücklich sind zwölf theaterbegeisterte Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen 10, 11 und 12 gerade von einem einwöchigen europäischen Theaterworkshop aus unserer französischen Partnerstadt Rillieux la-Pape in der Nähe von Lyon zurückgekehrt. Sie waren dort auf je zwölf ebenso begeisterte polnische und französische Jugendliche getroffen und gemeinsam in die Provence gefahren, wo Rillieux ihr stadteigenes Freizeitzentrum “La Chabotte“ unterhält. Dort lässt es sich gut arbeiten, aber auch gut spielen, tanzen, kommunizieren und länderübergreifende Kontakte knüpfen. Manche würden auch sagen, es ließe sich gut essen, aber diese Meinung teilten nicht alle. In vier verschiedenen Workshops erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler in gemischten Gruppen Szenen zum Thema Migration, es wurde unter der Anleitung der französischen Lehrerin für Modern Dance, Berenice, getanzt, Magalie Jullien, die Englischlehrerin des französischen Gymnasiums erarbeitete dramaturgische Szenen, Roger König begeisterte mit Schwarzlichttheater und Anne Krüger setzte das Thema mit Masken in Szene.

Nach fünf Tagen intensiver Arbeit ging es zurück nach Rillieux, um am letzten gemeinsamen Abend die Ergebnisse der Workshops im Espace Beaudelaire, dem Kulturzentrum der Stadt, einer beachtlichen Zuschauermenge zu präsentieren. Und beachtlich war es allemal, was die Jugendlichen in dieser Woche auf die Bühne gebracht haben: Gute 90 Minuten ausdrucksstarken Tanzes, kritscher Schwarzlichtszenen, intelligenten Sprechtheaters und rührender Maskenauftritte kamen zusammen und beleuchteten die Facetten der Migration – von Kriegsszenen über Aufbruch und Flüchtlingsbooten  hin zu Abschied, Heimatlosigkeit, Entwurzelung, und letzten Endes Zusammengehörigkeitsgefühl, Hoffnung und Liebe, alles war dabei und begeisterte die Zuschauer restlos.

Die Anzahl der Stunden, die von den Jugendlichen mit Schlaf verschwendet wurde, war überschaubar, dennoch erschienen fast alle fast immer fast pünktlich zum Frühstück und im Workshop – wenn auch der Begriff „pünktlich“ in polnischer, französischer und deutscher Kultur unterschiedlich gedeutet wird. Zwar sprachen die Franzosen bis auf wenige Ausnahmen kaum Englisch und wir Ditzinger nur schlecht Polnisch, die Polen hingegen gar kein Französisch, dennoch wurde fleißig und vor allem mutig kommuniziert, in erster Linie auf Englisch, und die Sorge der französischen Kollegin, die Schülerinnen und Schüler mit „Impulsen ins Gespräch bringen zu müssen“  erwies sich als vollkommen unbegründet.

Während der Workshops hat man deutlich gesehen, dass unsere Schüler, gerade im Vergleich zu den französischen, deren Schulcurriculum kaum Freiräume für kreativen Ausdruck vorsieht, auf ein großes Gestaltungsrepertoire zurückgreifen können. Auch die Gespräche in den Workshops, die auf Englisch geführt wurden, bereiteten ihnen erstaunlich wenig Schwierigkeiten. Wir, also wir Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Mitschülerinnen und Mitschüler, Nachbarn und Freunde, können sehr stolz sein auf unsere Jugendlichen, die in dieser erlebnisreichen Woche bewundernswert gut gearbeitet haben, auf höchstem Niveau kreativ waren und mit einer Leichtigkeit Freundschaften geschlossen und sich in einer ihnen fremden Sprache und Umgebung bewegt haben, die jegliche Zweifel an der Gesundheit unserer Gesellschaft ins Nirwana katapultieren. Wenn das die Kinder sind, die unsere Zukunft gestalten, dann möchte ich zweihundert Jahre alt werden.

Beim Abschied gab es neben Tränen auch die schönsten Vorsätze, das Projekt weiterführen, alle nach Ditzingen und nach Polen einladen zu wollen, doch ist das leider bisher nur ein Wunsch, der aus den geknüpften Freundschaften gerade auch zu den Polen und ihren ganz reizenden Begleitungen Malgosia und Marek entsprungen ist. Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass die Polen ganze 26 Stunden im Linienbus saßen und an der Grenze nach Frankreich von Soldaten mit Maschinengewehren aufs Peinlichste gefilzt wurden. Da sind unsere 8 Stunden, die wir in stadteigenen Autos über die Route Nationale gegurkt sind, nur ein müdes Augenzwinkern.

Das Projekt wurde von Rilieux und vom OFAJ, dem deutsch-französischen Jugendwerk, so stark bezuschusst, dass für die Teilnehmer nur ein minimaler Restbetrag als Eigenbeteiligung blieb. Marie-France Bartholomé, die Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Rillieux , ist eine wahre Meisterin im Aufstöbern von Zuschussmöglichkeiten und ohne ihren unermüdlichen, hochenergetischen Ganzkörpereinsatz wäre auch dieses Projekt niemals zustande gekommen. Gerade die polnische Partnerschule von Rillieux ist auf diese Fördergelder angewiesen. Natürlich wäre auch ohne Roger König, Anne Krüger, die großzügige Bereitstellung der Ditzinger Fahrzeuge und das Augezudrücken von Herrn Zakrzewski und den Kolleginnen und Kollegen des Gymnasiums, die einmal wieder auf Teile ihrer Schüler verzichten mussten, niemand nach Rilleux gefahren. Deswegen sagen wir hier nicht nur den Schülerinnen und Schülern ein herzliches Danke, dass sie dabei waren,  sondern auch all den oben Genannten! Das war gelungene Schulpartnerschaftspflege!

A. Krüger

Die Theater-AG in La Chabotte/ Rillieux