„Wenn Engel reisen, scheint die Sonne“ hatte uns Frau Brandl von der Jugendherberge Füssen am Vortag als Motivation mit auf den Weg gegeben, denn der Wetterbericht verhieß nichts Gutes für unser Wanderwochenende in der Füssener Bergwelt.

Dem Wetter konnten wir dann tatsächlich keine Schuld an unseren müden Knochen geben, denn das war zum Wandern eigentlich ideale 15 Grad Celsius warm und hat dafür gesorgt, dass wir die 1200 Höhenmeter und 21 Kilometer des Freitags zumindest ohne Hitzschlag und Sonnenbrand überstanden haben.  Zwar konnte man vom Tegelberg, den wir ohne lange Pausen erklommen hatten, nur eine vernebelte Bergwelt erahnen, doch boten sich uns auf dem Weg nach unten spektakuläre Aussichten auf die Königsschlösser – und noch weiter unten auch auf die japanischen Touristenmassen, die trotz Nieselregens vor der romantisch-kitschigen Szenerie für ihre Urlaubsdokumentationen posierten.
Geschmerzt haben am nächsten Tag nur die Beine, und dass obwohl alle 60 Schüler*innen weit vor Mitternacht im Bett lagen, sehr zum Erstaunen von Frau Hetzer und Frau Krüger, die sich darauf eingerichtet hatten, die Nacht über Jungs aus Mädchenzimmern zu sammeln und im Gang patrouillieren zu müssen.
Zur Belohnung schien am Morgen dann tatsächlich die Sonne und die zweite von Herrn Vogt neu ausgekundschaftete Wanderroute bildete nicht nur landschaftlich ziemlich genau das ab, was uns nächstes Jahr in den Alpen erwartet, sondern war auch ein paar Kilometer kürzer, ein paar Höhenmeter flacher und endete am Weißensee mit Badepause und Eis am Stil.
Die Füße wurden gewaschen, die Socken und Wanderschuhe im Gepäckraum des roten Kappusbusses verstaut und so konnte die Heimreise ohne unangenehme Geruchsbelästigung genossen werden.
Einen Vorgeschmack auf die Alpenüberquerung haben wohl alle bekommen können, und vor allem auf die andere Art der Fortbewegung – Wandern als Gruppenerlebnis. Nicht allen war vorher bewusst, dass es beim Wandern nicht auf persönliche Bestleistungen oder individuelle Bedürfnisbefriedigung ankommt, sondern auf das gemeinschaftliche Erlebnis, das Genusswandern ohne Stöpsel im Ohr, ohne Bluetooth-Box mit Beats im Wald, ohne Etappensieger oder das Gefühl „Letzter“ zu sein.  Seinen eigenen Rhythmus zu finden, dabei aber auch Rücksicht auf die Bedürfnisse der anderen zu nehmen, das ist eine der Zielsetzungen der Alpentour, und mit diesem Gefühl wollen wir nach der Wanderung in die gemeinsame Oberstufenzeit einsteigen.
Danke an die willigen Wandernden der Jahrgangsstufe 9, danke an Rainer Dannecker von Kappus für die motivierende Unterstützung und den Mut und das Geschick, uns in die hintersten Winkel zu fahren, danke an das Küchenteam der Jugendherberge Füssen, die schon seit sechs Jahren abends auf uns warten müssen, und natürlich danke an unser wunderbares Lehrer*innenteam, solange die Knie tragen! (Fr. Krüger)