Am Mittwoch, den 06.02.2019, machten sich die am Geschichtsprojekt teilnehmenden Schüler und Schülerinnen der Klassenstufe 10 und der Jahrgangsstufe 2 zusammen mit Frau Zach, Herrn Dr. Hofmann und Herrn Kluge zur Exkursion nach Grafeneck auf. Im Mittelpunkt des Projektes steht die Aufarbeitung der Biographien von aus Ditzingen stammenden NS-Opfern.


Grafeneck war die erste der sechs Tötungsanstalten der NS- „Euthanasie“. Unter dem Namen „Aktion – T4“ kamen dort 1940 genau 10.654 körperlich und geistig behinderte Männer, Frauen und Kinder in den Gaskammern um. Heute ist Grafeneck eine Behinderteneinrichtung des Samariterstifts. Im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte informierten wir uns über die Geschichte Grafenecks. Außerdem wurde eines der zahlreichen Kunstprojekte vorgestellt. Dieses beinhaltet eine große Glaswand mit einem Regal, in dem sich kleine Tonfiguren zum Gedenken an jedes der in Grafeneck ermordeten Opfer befinden. Diese können von den Besuchern mitgenommen werden, um den Opfern ein „neues Zuhause“ zu geben und um wieder Licht in den dunklen Raum zu bringen.
Nach dem Besuch im Dokumentationszentrum machten wir uns auf den Weg zum Grafenecker Schloss. In diesem Gebäude lebten von Januar bis Dezember 1940 die ca. 100 Verantwortlichen, darunter Ärzte und Pflegepersonal, SS-Wachmannschaften, Polizei- und Bürokräfte. Dort erhielten wir einen zweistündigen Vortrag über die Geschichte Grafenecks, die heutige Nutzung und die Entwicklung des Gedenkens an die „Euthanasie“-Verbrechen. Nach der Mittagspause stellte sich der Leiter der Gedenkstätte, Dr. Thomas Stöckle, unseren Fragen.
Zurück am Dokumentationszentrum erhielten wir noch eine kurze Führung zu den Gedenkstätten. Auf dem Weg sahen wir den ehemaligen Standort des Vernichtungsgebäudes, in dem Opfer direkt nach der Ankunft mit grauen Bussen in die Gaskammer geschickt wurden. Heute befindet sich dort ein Gedenkstein und ein Gebäude, in welchem Gottesdienste abgehalten werden. Das Vernichtungsgebäude wurde nämlich bereits in den 1960er Jahren abgerissen.
Unser Rundgang ging daraufhin bei den Denkmälern weiter, die in den 1980er und 1990er Jahren errichtet wurden. Zu diesen gehören eine offene Kapelle mit Gedenk- und Namensbuch sowie Gedenksteine auf dem Friedhof, auf dem die noch auf dem Gelände verbliebenen Urnen der Opfer bestattet wurden.
Der Besuch der Gedenkstätte war für uns sehr eindrucksvoll. Die zahlreichen Denkmäler, Kunstwerke und der jährliche Gottesdienst sollen an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnern. Aber auch die Behinderteneinrichtung spielt eine sehr wichtige Rolle für das heutige Grafeneck. Grafeneck soll heute kein „Ort des Todes“, sondern ein „Ort des Lebens“ sein, dort sollen Menschen zusammenkommen und zusammen leben. (Esther & Elisabeth)

 

Wand mit Tonfiguren

Schloss Grafeneck

Gedenkstätte als offene Kapelle