Die Kursstufe 1 des GGD beschäftigte sich im dreistündigen Deutsch-Grundkurs in den letzten Wochen mit den Schwerpunkten Exilliteratur, DDR und Wende. Der Film „Goodbye Lenin“, den wir im Unterricht durchnahmen, veranschaulichte jedoch vor allem das beschönigte Leben im damaligen Ostblock und die herrschenden Verhältnisse in der DDR. Um den Schülerinnen und Schülern noch eine etwas eindrücklichere Sicht auf die Thematik zu verschaffen, gelang es dem GGD am Freitag, den 13.12., einen Zeitzeugen willkommen heißen zu dürfen.

Benno Kny, 1942 zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Leipzig geboren, vermittelte seinen Zuhörern einen sehr guten Eindruck davon, wie er auf seine Kindheit, sein Studium und vor allem seine unrechtmäßige Inhaftierung nach all diesen Jahren zurückblickt.

Davon, wie er aufgrund verschiedener unglücklicher Zufälle – angefangen bei seiner Berufswahl, die mit einer von Polio verursachten körperlichen Beeinträchtigung zusammenhing, über eine zufällige Begegnung in Auerbachs Keller und schließlich dank einer Zufallsbekanntschaft seiner Tante – von der Stasi verhaftet, wochenlang verhört, wegen „Verleitung zur Republikflucht“ verurteilt, inhaftiert und dann für 40.000 DM von der BRD freigekauft wurde. Sein „Verbrechen“ war, dass er von der Flucht einer DDR-Bürgerin ungewollt erfahren, dieses aber nicht der Stasi gemeldet hatte.

Auf die Frage, was er denn aus der DDR vermisst habe, antwortete er aus ganzem Herzen „die Heimat“. Weder das politische System noch DDR-Nostalgieprodukte wie in „Goodbye Lenin“ sind ihm erinnerungswürdig geblieben. Statt dessen erinnerte er uns eindrücklich daran, dass diejenigen DDR-Bürger, die nicht in der SED waren, bis heute deswegen benachteiligt werden: Sie mussten trotz höherer Qualifikation in schlecht bezahlten Berufen arbeiten und bekommen bis heute niedrigere Renten als ihre Vorgesetzten, die alle Parteimitglieder waren.


Wer mehr erfahren will: auf https://gedenkort-kassberg.de/kny-benno/ ist ein Auszug aus Benno Knys Buch „Verraten und verkauft“ verlinkt.
(Vanessa, Laurenz, Wei und Zh)